Wie unsere Körpermitte unsere Gefühle beeinflusst

Der Kopf im Bauch

Viele von uns glauben fest daran, dass unser Bauch maßgeblich an Gefühlen oder Entscheidungen beteiligt ist. Umgangssprachlich ist dies längst kein Geheimnis mehr: So schlägt uns Stress auf den Magen, wir haben Schmetterlinge im Bauch oder hören auf unser Bauchgefühl. Und dieses Phänomen beschäftigt mittlerweile auch die Wissenschaft.



So haben Forscher schon vor einigen Jahren Erstaunliches entdeckt: Vom Bauch in den Kopf führen deutlich mehr Nervenfasern als zurück – und zwar ganze 90 Prozent des sogenannten Vagus-Nervs, der den Verbindungsweg zwischen Kopf und Körpermitte darstellt. Somit werden von der Mitte nach oben deutlich mehr Informationen gesendet als andersherum.

Bauch verfügt über eigenes Gehirn

Damit unser Bauch all die Informationen, die er bildet, aufbereiten und verarbeiten kann, verfügt er über ein eigenes Gehirn, das sogenannte Bauchhirn oder auch enterische Nervensystem (ENS). Mehr als 100 Millionen Nervenzellen – und das sind mehr als vier- bis fünfmal so viele, wie im Rückenmark sitzen – verarbeiten die Informationen. Und sie funktionieren auf ähnliche Art und Weise wie die Nervenzellen des Gehirns im Kopf. Doch nicht nur das: Sie nutzen auch die gleichen Botenstoffe. Einer der wichtigsten Stimmungsaufheller für das menschliche Hirn ist Serotonin. Nicht umsonst wird er häufig Menschen, die unter depressiven Verstimmungen oder Depressionen leiden, verabreicht. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ca. 90 Prozent dieses Botenstoffes in der Magen-Darm-Gegend des Körpers gebildet werden und vermuten, dass er von hier aus den Kopf und somit auch die Gefühle beeinflusst.

Darm meldet Kopf Gefahren

Doch es scheint so, als ob unser Bauch nicht nur für unsere Glücksgefühle zuständig wäre. Wissenschaftler konnten in vergangenen Studien feststellen, dass zwar 90 Prozent der Informationen vom Bauch an den Kopf gesendet werden, die übrigen zehn Prozent aber beispielsweise Gifte nach oben melden. Hier sagt der Bauch dem Kopf „Ich habe etwas Giftiges gefunden“, worauf der Kopf dem Bauch meldet, dass er die Gifte lieber erbrechen sollte. Ist uns schlecht, spielt also auch das Bauchhirn eine Rolle.

Weiterhin konnten Forscher einen Zusammenhang zwischen der Psyche und der Körpermitte feststellen. So kennen die meisten das Gefühl, dass man vor einer Prüfung richtig aufgeregt wird und man plötzlich dringend auf die Toilette muss. Anders ist es, wenn wir das Gefühl haben, mit Gefahr konfrontiert zu werden: Da schaltet der Körper in den Modus Fluchtsituation und unterdrückt den Stuhlgang, damit wir weglaufen können.

Darm reagiert auf Stress

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass uns Stress auf Körper und Geist schlägt. Stehen wir unter Stress, sind wir anfälliger für Krankheiten wie beispielsweise Erkältungen. Doch dies ist nicht alles: Auch die Körpermitte leidet, wenn unsere Psyche vom Stress angeschlagen ist. So wird auch der Stressbotenstoff Adrenalin im Darm produziert. Besonders Gestresste leiden häufiger unter Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, einem Reizdarm und einem Reizmagen. Zudem ist zu beobachten, dass Menschen, die unter Panik- oder Angststörungen sowie depressiven Erkrankungen leiden, auch vermehrt vom Reizmagen- oder Reizdarmsyndrom betroffen sind.

Deshalb gilt es, Stress für Darm und Geist weitestgehend zu vermeiden.

Tipps, um Stress für Darm und Geist zu vermeiden:

  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Dies aktiviert die Darmbewegung, regt die Sauerstoffversorgung an und sorgt für bessere Stimmung.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund und verzichten Sie weitest-gehend auf Alkohol sowie Nikotin und trinken Sie Kaffee in Maßen. So halten Sie die Darmflora gesund.
  • Lassen Sie sich von Problemen nicht auffressen. Sprechen Sie diese lieber an, anstatt sie mit sich herumzutragen und herunterzuschlucken – so werden Sie den emotionalen Ballast schneller los.
  • Schlafen Sie ausreichend und regelmäßig. Schaffen Sie sich Ruhephasen, beispielsweise bei einem entspannenden Spaziergang oder einer kurzen Meditation.
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